Ein Politiker ist eine Marke

Über hundert Personen wollen im Mai in den Grossen Stadtrat von Luzern gewählt werden. Da fällt die Wahl nicht leicht, vor allem weil wir nur einen Bruchteil aller Kandidatinnen oder Kandidaten kennen. Und wer liest schon über zehn verschiedene Broschüren mit allen Details und den endlosen Porträtserien durch? Es sind ja sowieso alle Kandidatinnen zuverlässig, seriös und lösungsorientiert. Was bleibt uns da angesichts von so vielen „Unbekannten“ und Information noch übrig?

Die Reduktion von Komplexität. Wir greifen auf unsere Erfahrung zurück. Wir wählen die Kandidatinnen, die schon bisher im Parlament waren und zumindest nicht negativ aufgefallen sind. Oder wir nehmen die Liste einer Partei, von der wir Engagement für diejenigen Dinge erwarten, die wir selber wichtig finden. Aber wer verspricht uns schon, dass unsere Erwartung dann auch erfüllt wird?

Was uns mit einer Partei oder einem Kandidaten verbindet, sind also die gemeinsamen Werte. Und die funktionieren analog zu einer Marke. Niemand entscheidet heute zwischen einem VW, einem Skoda oder einem Toyota wegen der Technik – die funktioniert überall zuverlässig. Die Werte, die wir mit einem Auto verbinden, beeinflussen unsere Wahl. Und die Werte sind das, was eine Marke von allen anderen Marken unterscheidet.

Eine Chinesin aus Hongkong hat in ihrer Abschlussarbeit, die ich lesen und beurteilen durfte, das Kaufverhalten chinesischer Touristen in Hongkong untersucht. Sie hat dabei herausgefunden, dass die Touristen aufgrund der chronischen Zeitnot tendenziell teurere und bekannte Marken kaufen. Die Erklärung dazu ist die Reduktion von Komplexität – von bekannten Marken erwarten die Touristen, dass sie zuverlässig sind.

Bei Politikern ist es nicht anders. Wer kennt schon alle Kandidatinnen und Kandidaten für das Stadtparlament so gut, dass er sie ohne Unsicherheit wählen kann? Ein Politiker muss deshalb wie ein Unternehmen jahrelang ein Image aufbauen und pflegen, um seinen Lohn in Form von Wählerstimmen sichern zu können. Allerdings kann das Image auch mit einem einzigen Skandal kollabieren, wie das Beispiel des deutschen Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt (meine Dissertation wird übrigens von mir geschrieben …).

Ein Politiker ist also eine Marke. Er steht für gewisse Werte und muss diese durch sein Handeln auch tatsächlich leben, wenn er langfristig Erfolg haben will. Wollen Sie wissen, ob Ihre und meine Werte übereinstimmen? Dann schauen Sie sich mein smartvote-Profil an, oder fragen Sie mich direkt nach meiner Meinung zu einem Thema.

Herzlich,
Roger Sonderegger


Kategorie: Gedanken, Wahlen Grosser Stadtrat Luzern 2012 | Kommentar schreiben

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